Ich habe Vagabunden im Garten. Eigentlich hat jeder Vagabunden im Garten. Es gibt sie in klein und groß, es gibt sie in allen Farben und es gibt nervige und divenhafte.
Vagabund = Landstreicher, Nichtsesshafter, Herumtreiber
Die Rede ist natürlich von Pflanzen, die im Garten herumwandern: in einem Jahr sind sie dort, im anderen Jahr in der nächsten Ecke. Hier möchte ich euch meine liebsten Vagabunden vorstellen, die das Gesicht meines Gartens jedes Jahr ein bisschen neu gestalten:
- Mein Liebling unter ihnen ist die Akelei, die sich nicht nur jedes Jahr einen neuen Platz sucht, sondern auch immer mal ihre Farbe und Füllung wechselt.
- Wunderschön kräftiges Pink zaubert die Vexiernelke ins Bild. Sie tritt gern in Gruppen auf und ist durch ihr dickes graues Laub sehr trockenverträglich.
- Ihr Majestät, die Königskerze, wird an zusagenden Stellen über 2 Meter hoch. Meistens belästigt sie dann ihre Nachbarn, weil sie eine dementsprechend große Blattrosette bildet. An ihr sieht man viele Hummeln bummeln.
- Die trockene Kiesfläche auf der Sitzinsel ist der Lieblingsplatz der Jungfer im Grünen. Sie will einfach nicht im Beet bleiben. Ihre Samenstände sind wunderbar zum dekorieren geeignet.
- Meine Skabiose ist recht neu, aber ich ahne schon, wie sie meinen Garten erobern wird. Ihre zartgelben Blüten schweben über dem Beet.







Nicht zu vergessen die Frühlings-Vagabunden: Der Veilchen wird man gar nicht mehr Herr, aber sie stören keinen und verströmen ihren lieblichen Frühlingsduft so schön. Schlüsselblumen dürfen auf der Wiese vorm Haus einen gelben Teppich bilden. Und das bemerkenswerte Lungenkraut ist ein Bienenmagnet ohne Ende. Es hat tolle weiße Tupfen auf den Blättern und die rosa Blütenfarbe wechselt nach der Bestäubung ins blaue. Bei mir bildet es den Teppich für die gelben Kaiserkronen.





Und dann gibt es da noch die, die ich gern ein bisschen pflege, damit sie nicht verlorengehen… Dazu zählen:
- Der märchenhafte Fingerhut, der einen etwas feuchten Boden liebt, den es bei mir leider kaum gibt.
- Stockrosen, für mich das Sinnbild eines Urlaubs an der Ostsee – hier kann man schon erkennen, warum sie bei mir zicken. Aber im Vorgarten scheint’s ihnen mittlerweile zu gefallen.
- Das zarte Mutterkraut, welches wie kleine Margeriten ausschaut. Es hat seinen Lieblingsplatz bei mir noch nicht gefunden, aber ich lasse fleißig die Samenstände stehen. Irgendwo wird es schon wiederkommen!
- Türkischer Mohn hat schon was Edles, wenn er seine Blütenblätter „entknittert“. Leider hält die Pracht nur wenige Tage…




Wer einen „cleanen“ Garten liebt, der muss ausufernde Vagabunden bekämpfen. Das kann mühevoll sein und ist oft nicht von Erfolg gekrönt. Man kann die Herumstreicher aber auch lassen. Und sich an ihnen erfreuen. Gott lehrt uns, Dinge, die wir nicht ändern können, auf sich beruhen zu lassen. Loszulassen, abzugeben, zu vertrauen. Aus Dingen, an denen wir uns abmühen und die uns belasten, macht er oft viel Schöneres und Größeres. Es tut gut, Dinge bei Gott abzugeben; sie nicht mehr mit sich herumzuschleppen. Bei ihm sind sie gut aufgehoben.
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (…).
(Römer 8,28)

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