Ich sitze gerade auf der Terrasse und schreibe. Dabei höre ich ganz viele Vogelstimmen – warte, ich frag mal kurz die Vogelbestimmungs-App, welche das gerade sind… Aha, Spatz, Stieglitz, Amsel, Grünfink und Türkentaube. Für die Störche brauche ich keine App. Vorhin hatte ich noch einen Buntspecht gesehen. Der wollte ein Loch ins Insektenhotel klopfen. Verrückt.

Sehen tu ich nicht viel: die Rosen, die Topfpflanzensammlung, das Terrassenmobiliar. Das ist auch gut so. Ich will mich ja konzentrieren, gell?

Die Terrasse ist so eine Art Zwischenwelt. Ich fühle mich nicht ganz im Garten, doch auch nicht mehr ganz im Haus. Auf der Terrasse wird gefrühstückt, gegrillt, gespielt, gearbeitet, gesonnt. Dort wird ein schneller Kaffee getrunken, aber auch die Nacht durchgemacht. Dort gibt es Equipment gegen Sonne und Regen, aber auch Decken und Kissen wenn‘s kälter wird. Nur bei Hitze müssen wir flüchten.

Damit meine Zwischenwelt ein besonderer Ort bleibt, habe ich sie einwachsen lassen. Im Frühling, wenn man nach Sonne lechzt, kann man bis zum unteren Zaun einmal quer durch den Garten gucken. Und allen Frühblühern beim Sprießen zusehen. Doch im Sommer und Herbst bilden Blühsträucher zur Linken, Efeu und Kirschlorbeer zur Rechten und das bunte, duftende Rosenbeet nach Süden eine florale Barriere.

Die Rosen teilen sich das obere Beet mit der Kräuterschnecke. Zwischendrin gibt es einen Terrassenabgang zum Garten. Darauf bin ich besonders stolz, denn hier gurgelt auch ein kleines Bächlein hinunter. Darüber wölbt sich eine Birke, gegen die ich zwar allergisch bin, die ich aber trotzdem liebe. Irgendjemand hat damals vergessen, den Sämling herauszuziehen, und so war sie halt da. Bachlauf und Birke im Mai – das ist einfach romantisch.

Die Stufen des Abgangs bestehen aus Thüringer-Wald-Schiefer. Auch eine Leidenschaft von mir: Steine sammeln. Mein Mann schämt sich dann manchmal fremd, wenn er irgendwo anhalten muss, damit ich Steine einladen kann. Aber Steine erzählen halt auch Geschichten. Und sind Lebensräume. Manchmal bringt mir mein Onkel runde Findlinge aus Brandenburg mit. Die passen dann gut an den Pool.

Die Kräuterschnecke habe ich aus restlichen Pflastersteinen zusammengeschichtet. „Hält keine 2 Jahre!“ sagte mein Mann, der Bauingenieur. Und: „Hast ja gar kein Fundament.“ Das war 2012… Wurzeln halten halt auch was! Diese Wurzeln gehören zu mediterranen Kräutern wie:

  • Salbei
  • Thymian
  • Bergbohnenkraut
  • Lavendel
  • Oregano
  • Rosmarin und einen blauen Strauchbasilikum kaufe ich jedes Jahr dazu. Die überstehen meist den unterfränkischen Winter nicht.

Dazwischen dürfen ein paar Frühblüher und Akeleien wohnen und was sich sonst noch aussät. Hauswurze und Mauerblümchen füllen die Ritzen.

So, das wars erstmal zur Terrasse. Rosenbeet und Vierjahreszeitenbeet stelle ich euch gern an anderer Stelle später vor. Ich sitze übrigens immer noch auf der Terrasse. Der Specht hat’s aufgegeben, nachdem ihn zwei Elstern belästigt haben. Aber ich denke noch über die Zwischenwelt nach. Nicht ganz draußen und nicht ganz drinnen… In so einer Zwischenwelt oder Zwischenzeit befinden wir uns ja eigentlich als Christen immer. Wie in dem Lied von Albert Frey:

Mitten in dieser Welt,
doch nicht von dieser Welt.
Wir gehören zu dir
und doch sind wir noch hier…

Aber wir können zum Glück gewiss sein, dass zwischen Himmel und Erde auch jetzt schon ein Steg ist – Jesus selbst. Er ist die Brücke und er ist der Weg zum Vater in dieser Zwischenzeit.

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