Der diesjährige September war ganz nach meinem Geschmack! Ja, es war zu trocken und zu warm, aber ich finde es toll, wenn man aus dem Sommerurlaub kommt und nicht gleich die T-Shirts nach hinten in den Schrank schieben muss und mit der ersten Grippe im Bett liegt. Dieser September hat einen soften Übergang geschenkt. So, dass man den Sommer nicht sofort schrecklich vermisst. Genau richtig für Melancholiker. Und wenn man sich damit abgefunden hat, dass der Sommer nun doch zu Ende geht, dann lernt man den September lieben.

September ist wie Mai; nur goldfarben und nicht grün. Die Filterfarbe hat gewechselt. September ist die zweite Chance des Jahres für manches Blüh- und Gemüsegewächs und schenkt eine Fülle an Farben mit demselben Grundton.

Eine zweite Chance hatten in diesem Jahr meine Herbstanemonen: Eigentlich blühen die ja schon im August. Viel zu früh, wenn ihr mich fragt; bei DEM Namen haben die FRÜHESTENS Mitte September zu blühen! Und das haben sie dieses Jahr auch! Denn die ersten Blütenknospen hatten einfach zu wenig Wasser. Und haben beschlossen: „Wir vertrocknen jetzt einfach und bilden mit dem ersten Septemberregen schnell neue tolle Blüten aus. Denn ausfallen lassen wir die Blüte nicht!“ Und die rosa Blüten sehen so toll aus neben den violetten Liebesperlen des gleichnamigen Strauchs! Die Sonnenblumen haben gleich mitgemacht und neben ihre vertrockneten Blüten einfach neue Knospen geschoben. Vieles erhält eine zweite Chance im Herbst. Und wer sie nutzt, der wird zusätzlich noch vergoldet.

Der September ist, finde ich, viel entspannter als der Mai oder der Juli: Man kann wunderbar durch den Garten wandeln, ohne schlechtes Gewissen, dass man die Gießkanne nicht dabei hat. Und Verwelktes sieht im September auch irgendwie gut aus. Und Königsblau neben Knallrot auch (wegen des September-Farbfilters nämlich ;-)). Im Mai würde das sofort auffallen und nach der Schere verlangen. Aber nein, der September ist romantisch-dekadent und eben auch im Verfall wunderschön.

Und trotz aller Ankündigung des Endes steckt auch im September schon die Verheißung auf das Neue im nächsten Jahr. Ok, nur ein kleines bisschen, aber trotzdem: die neuen Himbeerruten künden davon, während von den alten noch genascht werden kann, die großen grausilbrigen Rosetten der Königskerzen, das frische Grün der Traubenhyazinthen, die frischen Fruchtansätze am Feigenbaum neben den reifen Früchten… .

So schön dieses Gartenjahr auch war: Wir dürfen uns getrost und gleichzeitig hoffnungsvoll von dem Alten verabschieden, denn Gott lässt bereits jetzt im Verborgenen Neues entstehen. Nicht nur im Garten; auch in unseren Herzen: Jeden Frühling wieder, jedes Jahr wieder, und -das ist das Beste- an jedem neuen Morgen!

Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?

Jesaja 43, 19

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